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Was ein Hund oder eine Katze wirklich kostet – über das ganze Leben

Die meisten Rechnungen zur Anschaffung eines Tieres enden beim Kaufpreis. Das ist der Posten, der am leichtesten zu ermitteln und am wenigsten entscheidend ist. Was zählt, sind die zwölf bis achtzehn Jahre danach — und dafür gibt es härtere Anhaltspunkte, als die üblichen Monatsschätzungen vermuten lassen.

7 geprüfte Quellen · Foto: Unsplash

Ein Sparschwein mit einzelnen Münzen davor

Der Anschaffungspreis ist der kleinste Posten

Setzen Sie die Beträge nebeneinander, um die Größenordnungen zu sortieren. Eine Schutzgebühr liegt beim Tierschutzverein München mit Stand 1. August 2026 zwischen 250 Euro für einen Hund ab fünf Jahren und 450 Euro für einen Welpen bis vier Monate; Katzen kosten dort 150 bis 200 Euro, Kaninchen 50 Euro. Ein Welpe aus einer Onlineanzeige wurde 2025 nach den Beispielen des Deutschen Tierschutzbundes für 1.500 bis 2.000 Euro gehandelt.

Beide Beträge fallen einmal an. Alles Weitere fällt jedes Jahr wieder an, zwölf- bis achtzehnmal. Dort entscheidet sich, ob die Rechnung aufgeht — und nicht an der Differenz zwischen 350 und 1.800 Euro.

Ein harter Anhaltspunkt: 16,07 Euro pro Tier und Tag

Der Deutsche Tierschutzbund hat für 2025 erhoben, was Tierheimen die Unterbringung und Pflege eines Hundes oder einer Katze kostet: durchschnittlich 16,07 Euro pro Tier und Tag, bei einer Spanne von 9,32 bis 20,62 Euro zwischen den Einrichtungen. Tiermedizinische Kosten sind darin nicht enthalten.

Hochgerechnet ergibt der Durchschnittssatz 5.865 Euro im Jahr, über zwölf Jahre rund 70.000 Euro. Diese Zahl ist keine Prognose Ihrer Haushaltskosten und soll auch keine sein: Sie enthält Personal, Räume und Reinigung eines professionellen Betriebs, sie stammt aus der Auswertung zu beschlagnahmten Tieren, und die Tiermedizin fehlt darin ganz. Ihr Wert liegt an anderer Stelle. Sie zeigt, was die tägliche Versorgung eines einzelnen Tieres kostet, wenn jede Position tatsächlich bezahlt und gebucht wird statt in Eigenleistung unterzugehen. Wer für sich selbst auf ein Fünftel davon kommt, sollte die eigenen Annahmen noch einmal prüfen.

Der Tierarzt ist der Posten mit der größten Streuung

Bei den laufenden Kosten lässt sich der Tierarzt am schlechtesten mitteln — nicht weil Preise willkürlich wären, sondern weil die Gebührenordnung einen breiten Rahmen vorgibt. Nach § 2 Absatz 1 der Tierärztegebührenordnung bemisst sich die einzelne Gebühr nach dem Einfachen bis Dreifachen des Gebührensatzes. Im Notdienst bei Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen erhöhen sich die einfachen Sätze nach § 4 auf das Zweifache und können bis auf das Vierfache gehen; hinzu kommen 50 Euro Notdienstgebühr.

Für eine Kalkulation folgt daraus eine Zweiteilung. Der Routineblock — Impfungen, Parasitenprophylaxe, jährliche Untersuchung, Zahnbehandlung — lässt sich bei der eigenen Praxis erfragen und als Jahresbetrag ansetzen. Der zweite Block ist nicht planbar und gehört deshalb nicht als Mittelwert in die Rechnung, sondern als Rücklage, die einen stationären Aufenthalt über ein Wochenende trägt. Wie sich eine solche Rechnung im Einzelnen zusammensetzt, steht auf unserer Seite zur GOT.

Manche Rassen bringen die Dauerposition schon mit

Bei einigen Züchtungen ist die tierärztliche Dauerposition kein Risiko, sondern eine Eigenschaft. Das Merkblatt des Qualzucht-Evidenz Netzwerks zur Rasse French Bulldog fasst die Datenlage zusammen: In einer Studie von Packer et al. (2015) waren bis zu 70 Prozent der Tiere vom brachyzephalen obstruktiven Atemwegssyndrom betroffen; in über 80 Prozent der Geburten muss ein Kaiserschnitt vorgenommen werden, häufig als Notkaiserschnitt. Der durchschnittliche Inzuchtgrad der Rasse lag 2016 bei rund 28 Prozent — eine Vollgeschwisterkreuzung erzeugt 25 Prozent.

In Haushaltszahlen übersetzt: erhöhte Wahrscheinlichkeit für Eingriffe an den oberen Atemwegen, für Nachbehandlungen, für Medikation über Jahre. Das ist kein Argument gegen das einzelne Tier, das bereits lebt und ein Zuhause braucht. Es ist ein Argument dagegen, ein solches Tier neu zu kaufen und diese Position dann nicht eingeplant zu haben.

Was Kommune und Land dazulegen

Zwei Posten sind nicht verhandelbar und unterscheiden sich je nach Wohnort erheblich. Die Hundesteuer setzt die Kommune fest: In Berlin beträgt sie nach Auskunft der Senatsverwaltung für Finanzen 120 Euro im Jahr für den ersten Hund und 180 Euro für jeden weiteren. Andernorts liegt sie darunter oder deutlich darüber, und für als gefährlich eingestufte Hunde greifen vielerorts stark erhöhte Sätze. Verlässlich ist ausschließlich die Satzung Ihrer eigenen Stadt oder Gemeinde; Ratgeberportale geben hier regelmäßig veraltete Beträge wieder.

Ob eine Tierhalterhaftpflicht gesetzlich vorgeschrieben ist, richtet sich nach dem Hundegesetz des jeweiligen Bundeslandes und nach der Einstufung des Hundes. Prüfen Sie das Landesrecht, bevor Sie mit einer Zahl kalkulieren. Für Katzen stellt sich diese Frage in der Regel nicht, für Hunde je nach Land sehr wohl.

Was passiert, wenn die Rechnung nicht aufgeht

Die Folgen zu knapper Kalkulationen landen an einer gut dokumentierten Stelle. Nach einer im April 2026 veröffentlichten Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes berichten rund 80 Prozent der befragten Tierschutzvereine, dass mehr Halter bei Tierheimen um finanzielle Hilfe für Tierarztkosten bitten. 60 Prozent der Tierheime nehmen seit der Anpassung der Gebührenordnung in wachsendem Maße Fundtiere auf, die nach Einschätzung der Einrichtungen sehr wahrscheinlich ausgesetzt wurden.

Dass die Tierheime diesen Puffer überhaupt noch bilden können, ist keine Selbstverständlichkeit. Eine Trendumfrage von Deutschem Tierschutzbund und Fressnapf unter 218 angeschlossenen Tierheimen, erhoben im Mai 2024, ergab: 49 Prozent voll oder übervoll, nur 18 Prozent mit verbleibenden Aufnahmekapazitäten, 82 Prozent mit steigenden Tierzahlen seit 2022. Die Erhebung ist zwei Jahre alt und beruht auf Selbstauskünften; als Momentaufnahme der Belastungsgrenze taugt sie trotzdem.

Eine Vorlage zum Nachrechnen

Die folgende Tabelle enthält bewusst keine erfundenen Monatsbeträge. Jede Zeile nennt stattdessen die Stelle, an der Sie den für Sie geltenden Wert bekommen — mit einer Ausnahme dort, wo eine belastbare Zahl vorliegt.

PostenRhythmusWas den Betrag treibtWo der echte Wert steht
Anschaffung, SchutzgebühreinmaligArt und Alter des TieresGebührenordnung des Vereins, meist veröffentlicht
Futter, Zubehör, Betreuung, UnterbringunglaufendGröße, Aktivität, Betreuung bei AbwesenheitVergleichsgröße: 16,07 Euro pro Tier und Tag im Tierheimbetrieb, ohne Tiermedizin
Tierarzt, RoutinejährlichImpfungen, Parasitenprophylaxe, ZahnbehandlungNachfrage bei der eigenen Praxis nach dem angesetzten Gebührensatz
Tierarzt, Notfall und chronische BehandlungunregelmäßigGebührensatz, Notdienst, Rasse, Vorerkrankungen§ 2 und § 4 GOT: einfach bis dreifach, im Notdienst bis vierfach plus 50 Euro
HundesteuerjährlichKommune, Zahl der Hunde, Einstufung als gefährlichSatzung Ihrer Kommune; Berlin: 120 Euro für den ersten Hund, 180 Euro für jeden weiteren
Haftpflicht, KrankenversicherungjährlichBundesland, Rasse, Alter bei AbschlussHundegesetz des Bundeslandes, Versicherungsbedingungen

Wenn die Rechnung aufgeht

Eine Anschaffungsentscheidung mit Zahlen darunter ist der seltene Fall. Wer bis hierher gerechnet hat und zu einem Ja kommt, hat ihn hergestellt. Der Anschaffungspreis ist dann tatsächlich der kleinste Posten — und der einzige, bei dem Sie zwischen zwei sehr verschiedenen Empfängern wählen können: einer Einrichtung, die die Kosten des Tieres bereits getragen hat, oder einem Verkäufer, der sie an Sie weitergibt.

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Quellenverzeichnis

Belege

Jede Zahl auf dieser Seite ist gegen die folgenden Primärquellen geprüft.

  1. 1
  2. 2
    Gebühren der Tiervermittlung, Stand 1. August 2026

    Tierschutzverein München e. V. / Tierheim München

  3. 3
  4. 4
    Merkblatt Hund, Rasse French Bulldog

    Qualzucht-Evidenz Netzwerk (QUEN) gGmbH

  5. 5
    Umfrage verdeutlicht: Kostensteigerungen belasten Tierheime und Halter

    Deutscher Tierschutzbund e. V., Pressemeldung vom 20.04.2026

  6. 6
    Tierheime sind überfüllt – nur 18 Prozent haben noch Kapazitäten

    Deutscher Tierschutzbund e. V., Pressemeldung vom 28.08.2024

  7. 7
    FAQ Hundesteuer (Höhe: 120 Euro erster Hund, 180 Euro jeder weitere)

    Senatsverwaltung für Finanzen Berlin, berlin.de – abgerufen 01.08.2026