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Schutzgebühr oder Züchterpreis: Was Sie jeweils wirklich bezahlen

Drei Beträge stehen für dasselbe Tier zur Debatte, und der höchste stammt aus der schlechtesten Quelle. Diese Seite legt eine veröffentlichte Tierheim-Gebührenordnung, die einzige belastbare Aussage des VDH zu Aufzuchtkosten und die Angebotspreise des illegalen Handels nebeneinander – und rechnet nach, was die Schutzgebühr tatsächlich deckt.

5 geprüfte Quellen · Foto: Unsplash

Taschenrechner und Unterlagen auf einem Schreibtisch

Drei Preisniveaus

BezugswegBetragWas dazu belegt ist
Tierheim (Beispiel Tierheim München, Stand 1. August 2026)250 bis 450 Euro für Hunde, 150 bis 200 Euro für Katzenveröffentlichte Gebührenordnung mit nach Alter gestaffelten Sätzen
Züchter mit Verbandszugehörigkeitkeine veröffentlichte Zahlder VDH nennt keinen Preis, sondern eine Untergrenze: Für 250 oder 350 Euro könne kein seriöser Züchter die Aufzuchtkosten decken, selbst für 500 Euro sei das schwer
Onlineanzeige aus illegalem Handel1.500 bis 2.000 Euro je TierAngebotspreise 2025 nach den dem Deutschen Tierschutzbund vorliegenden Beispielen

Die unbequeme Zeile ist die dritte. Der höchste Betrag in dieser Tabelle gehört zur schlechtesten Herkunft, und das ist kein Zufall: Ein Preis in dieser Höhe soll Seriosität signalisieren. Der Preis trennt nach unten – ein 300-Euro-Welpe kann rechnerisch nicht ordentlich aufgezogen worden sein. Nach oben trennt er überhaupt nichts.

Was eine Schutzgebühr abdeckt

Weil viele Vereine ihre Sätze nicht veröffentlichen, hier ein Beispiel, das öffentlich einsehbar ist. Das Tierheim München weist zum 1. August 2026 aus:

  • Hundewelpen bis 4 Monate: 450 Euro
  • Junghunde bis 12 Monate: 400 Euro
  • Hunde ab 1 Jahr: 350 Euro
  • Hunde ab 5 Jahren: 250 Euro
  • Katzen bis 6 Monate: 200 Euro, ab 6 Monaten: 150 Euro
  • Kaninchen: 50 Euro, Meerschweinchen: 40 Euro

Die Gebühr deckt nach Angaben des Vereins Tierarztuntersuchungen, Unterbringung, Fütterung und Betreuung anteilig ab und trägt zur Versorgung der über 8.000 Tiere bei, die dort jährlich durchlaufen. Bemerkenswert ist die Richtung der Staffel. Sie fällt mit dem Alter, während ein Marktpreis für ein knappes Gut mit der Nachfrage steigen würde. Ein junger Hund ist begehrter als ein zehnjähriger und kostet trotzdem 200 Euro mehr, nicht das Doppelte. Die Schutzgebühr verhält sich damit nicht wie ein Preis, sondern wie ein Beitrag – eine Lesart der Zahlen, keine Aussage des Vereins.

Warum die Gebühr die Kosten nicht deckt

Rechnen Sie mit. Den Tierheimen entstanden 2025 durchschnittlich 16,07 Euro pro Tier und Tag für Unterbringung und Pflege eines Hundes oder einer Katze, bei einer Spanne von 9,32 bis 20,62 Euro; tiermedizinische Kosten sind darin nicht enthalten. Eine Schutzgebühr von 350 Euro ist bei diesem Tagessatz nach etwa 22 Tagen aufgebraucht. Die Rechnung ist unsere, die Ausgangszahl stammt aus der Auswertung des Deutschen Tierschutzbundes; sie bezieht sich dort auf beschlagnahmte Tiere, ist als Größenordnung für Unterbringung und Pflege aber der belastbarste veröffentlichte Anhaltspunkt, den es gibt.

Kommt Tiermedizin hinzu, kippt das Verhältnis vollends. In einem in derselben Auswertung dokumentierten Fall entstanden einem Tierheim für vier Welpen im Alter von sechs bis sieben Wochen bis zur Vermittlung über 11.000 Euro, davon knapp 5.000 Euro für tiermedizinische Betreuung. Einzelne Rechnungen lagen bei 3.702,70 Euro und 4.334,89 Euro, dazu 980 Euro Materialkosten. Vier Schutzgebühren für Welpen hätten in München zusammen 1.800 Euro ergeben.

Der Kostendruck ist zudem gestiegen. Nach einer Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes vom 20. April 2026 berichten fast 80 Prozent der befragten Einrichtungen von deutlichen bis sehr starken Mehrkosten seit der Anpassung der tierärztlichen Gebührenordnung und beziffern sie auf 30 bis 50 Prozent und mehr. Rund 80 Prozent berichten außerdem, dass mehr Tierhalter beim Tierheim um finanzielle Hilfe für Tierarztkosten bitten, und 60 Prozent nehmen in wachsendem Maße Fundtiere auf, die sehr wahrscheinlich ausgesetzt wurden.

Was auf der anderen Seite kalkuliert wird

Für den seriösen Zuchtbetrieb existiert keine veröffentlichte Wurfkalkulation, an der sich ein Preis nachvollziehen ließe – auch der VDH legt keine vor. Belegt ist nur die Untergrenze, und die ist deutlich formuliert: „Für 250 oder 350 Euro pro Welpe kann kein seriöser Züchter die Kosten für die Aufzucht decken. Selbst für 500 Euro ist das schwer.“ Mehr gibt die Quellenlage nicht her. Wer Ihnen eine konkrete Zahl für den „üblichen“ Züchterpreis nennt, nennt einen Marktwert, keine Kostenrechnung.

Die Marge im illegalen Handel

Auf der dritten Ebene ist die Kalkulation dagegen sehr gut nachvollziehbar. Der Deutsche Tierschutzbund beschreibt sie als „äußerst lukratives Geschäft“, weil die Tiere sehr billig erzeugt werden: Auf adäquate Haltung und tiermedizinische Versorgung wird in aller Regel verzichtet, während 1.500 bis 2.000 Euro je Tier erlöst werden. Der Abstand zwischen Erlös und Aufwand ist genau der Betrag, der am Tier gespart wurde.

Die Rechnung drei Wochen später

Der Anschaffungspreis ist bezahlt, das Tier ist da, und dann kommt der Durchfall. In 73,28 Prozent der Fälle mit Angaben zum Gesundheitszustand zeigten die 2025 aufgegriffenen Tiere Krankheitsanzeichen – Giardien, Spul-, Haken- und Herzwürmer, Kokzidien, Parvovirose. Der VDH beschreibt die Folge für Käuferinnen und Käufer so, dass ein billig gekaufter Hund „nicht selten schon innerhalb des ersten Lebensjahres ein Vielfaches seines Kaufpreises an Tierarztkosten“ verursacht. Die Behandlung wird nach der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte abgerechnet, in der sich die einzelne Gebühr nach dem Einfachen bis Dreifachen des Gebührensatzes bemisst; im Notdienst kommen der zwei- bis vierfache Satz und eine Notdienstgebühr von 50 Euro hinzu. Der Parvovirose-Verdacht am Sonntagabend ist damit kein hypothetischer Posten, sondern eine bezifferbare Größe.

Gegenüberstellung

TierheimAnzeige aus illegalem Handel
Betrag150 bis 450 Euro (Beispiel München)1.500 bis 2.000 Euro
tierärztliche Versorgung vor der Übergabein der Gebühr anteilig enthaltennach der Auswertung 2025 in aller Regel unterlassen
Alter des Tieresbekannt und in der Gebührenstaffel abgebildetin 86,08 Prozent der Fälle mit Altersangabe zu jung für einen legalen Grenzübertritt
Gesundheitszustand bei Übergabeuntersuchtin 73,28 Prozent der Fälle mit Angaben Krankheitsanzeichen
wohin das Geld fließtBetrieb der Einrichtung – im Münchner Beispiel über 8.000 Tiere im JahrMarge des Händlers
Folgekostennicht ausgeschlossenlaut VDH nicht selten ein Vielfaches des Kaufpreises im ersten Jahr

Wenn die Rechnung für Sie aufgeht

adopt-dont-shop.com wird von Balu betrieben, einer Adoptionsplattform; der folgende Hinweis führt dorthin. Die Zahlen oben stammen von Dritten – Tierschutzverein München, VDH, Deutscher Tierschutzbund, Bundesgesetzblatt – und sind über die Quellenliste einzeln überprüfbar. Für die Beträge in der Tabelle gilt außerdem: Gebührenordnungen sind regional verschieden. Der Münchner Satz ist ein Beispiel, kein bundesweiter Tarif; fragen Sie beim Verein in Ihrer Nähe nach dessen eigener Ordnung.

Stand der Angaben

Die Gebührensätze wurden am 1. August 2026 auf der Website des Tierschutzvereins München geprüft und geben den dort veröffentlichten Stand wieder. Kosten- und Handelszahlen stammen aus der Auswertung des Deutschen Tierschutzbundes zum Jahr 2025, Bearbeitungsstand Mai 2026. Die Aussage zu den Aufzuchtkosten stammt von der Welpen-Website des VDH. Die 22-Tage-Rechnung im Abschnitt zur Kostendeckung ist eine Division der Schutzgebühr durch den Tagessatz und keine Angabe der Quelle.

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Quellenverzeichnis

Belege

Jede Zahl auf dieser Seite ist gegen die folgenden Primärquellen geprüft.

  1. 1
    Gebühren der Tiervermittlung, Stand 1. August 2026

    Tierschutzverein München e. V. / Tierheim München

  2. 2
    Herkunft des Hundes – Dumpingpreise und Folgekosten

    Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) e. V., welpen.vdh.de

  3. 3
  4. 4
    Umfrage verdeutlicht: Kostensteigerungen belasten Tierheime

    Deutscher Tierschutzbund e. V., Pressemeldung vom 20.04.2026

  5. 5
    Tierärztegebührenordnung (GOT 2022), §§ 2 und 3

    Bundesministerium der Justiz / juris, gesetze-im-internet.de